An Emanuel Reicher
Lieber Meister, großer Meister,
Künstler du von deinen Gnaden.
Wenn ich meinen »Pinsel tauche«
Dieses Wort ist ganz entsetzlich
In die schwärzeste der Tuschen,
Tu ichs heut, um dich zu ehren,
Tu ichs heut, um dir zu danken,
Gott mit uns-Emanuel!
Ich geh selten ins Theater.
Doch seh dich ich angekündigt,
Laß ich alles andre liegen,
Stülpe meinen alten Filz auf,
Laufe schleunig an den Schalter
Und belege eine Loge.
Strindbergs »Vater,« die »Marquise,«
Nie vergaß ich deine Wunder.
Sudermann und Ibsen, Hauptmann,
Und wie all die Großen heißen,
Die du herrlich vorgezaubert,
Bleiben stets mir gegenwärtig.
Realistisch »idealisch,«
Wirklichkeiten, Phantasieen.
Alles, was du dann verwendest,
Ist von allerschärfster Prägung.
Sehr begeistert ging ich heimwärts.
Nein, nicht gleich, denn erst noch muß ich,
Nach den geistigen Genüssen,
Eine Flasche Rotspohn trinken
Und ein gutes Beefsteak essen.
Einmal saß ich auch im Weinhaus
Ganz allein an einem Tischchen.
Und ich dachte voller Staunen
Deines grandiosen Spieles.
Da, was ist das? Von den Stühlen
Waren plötzlich alle Gäste
Aufgeschnellt, als wenn die Nadel
Boshaft sie emporgestochen.
Und sie starren alle auf mich,
Den sie einen Irren wähnten.
Himmel, was denn war geschehen?
Als ich so für mich gesessen,
War ich hurtig aufgesprungen,
Hatte steil mein Glas erhoben,
Und gebrüllt, die Gläser klirrten:
Vivat hoch Emanuel!
Nun ein anderes Kapitel.
Meinen Dank! Dank heißt die Rose,
Die kaum einer kennt auf Erden,
Weil sie blüht im Waldesdunkel,
Nachts im tiefsten Waldesdunkel.
Hab ich sie für dich gefunden?
Ja, ich habe sie gebrochen,
Und nun leg ich diese Blume
Heißen Herzens dir zu Füßen.
Äußerst schwierig ist es immer
Für den Schauspieler: zu lesen.
Denn das Pathos von der Bühne
Hängt und bleibt an ihm wie Ketten;
Ganz natürlich und verständlich.
Aber Lyrik, dieses Pflänzchen,
Darf man nicht mit Fäusten packen,
Darf man mit Gewalt nicht zerren.
Freilich, so ists nicht ganz richtig,
Wie ichs eben hingeschrieben.
Aber jeder wird verstehen,
Was ich damit sagen wollte.
Du gehörst nun zu den seltnen,
Die auch Lyrik »sprechen« können.
Und so dankt dir meine Seele,
Daß ins »Repertoire« genommen
Du von meinen Kritzeleien.
Unter anderm ganz besonders:
Pidder Lüng, die sieben Mädchen,
Neue Eisenbahn (dämonisch
Hast du sie heraufbeschworen),
Und vor allem, unvergleichlich
Hast du jenen Poggfred-Cantus
(Poggfred? Wer hat das geschrieben),
Der genannt »die kleine Fite,«
Uns wie letzte Abendröte,
Nach Gewittern, vorgeseligt,
Sapperment Emanuel!
Noch ein Fädchen muß ich spinnen,
Eh ich meinen Speech vollende,
Und dies gilt dem edeln Menschen:
Ja, ich weiß, wie deine Seele
Grübelt bis zu tiefsten Punkten,
Um die Sphinx herauszuholen,
Ihr den Schleier dann zu lüften.
All dein Glaube, all dein Sehnen
Möchte uns den Himmel öffnen,
Wo in Paradiesesgärten
Christus uns in Liebe einigt,
Friedensfürst-Emanuel.